Tuesday, March 26, 2013
Der Schal
Wir sitzen in einer dunklen Bar. Der Barkeeper verwendet noch CDs und ich fühle mich hier wohl. Es ist wie zu Hause nur viel besser weil ich Menschen beobachten kann. Die Frau bestellt ein Bier nach dem anderen. Ihre Sitznachbarin rückt ihren Barhocker näher zu der Bar und surft im Internet. Mit ihrem rechten Ellbogen stützt sie sich auf die Tischplatte. Zwischen ihren Fingern hält sie eine Zigarette. Wie sie so dasitzt sieht sie elegant aus. Wir stehen auf der Treppe und geben dem Barkeeper ein Zeichen. Er spielt die Musik ab. Wie es halt so ist wenn jemand wieder älter wird. Für ihn ist das alles nichts mehr Neues. Feuerzeug an, Kerzen anzünden, Torte tragen - tata- wie erwartet. Alles Gute und so. Wer isst ein Stück vom Kuchen? Niemand isst Kuchen und wir brauchen keine Teller. Wir trinken Sekt. Nur er nicht, er sitzt an unserem Holztisch und bestellt sich einen Weiß Sauer nach dem anderen. Der Rauch wird unerträglich. Mir tränen die Augen. Ich stell mir vor, dass die Tränen ins Tränenmeer fließen. Wie sieht ein Tränenmeer aus? Wie ein richtiges Meer nur traurig? Wie ist ein trauriges Meer? Ist es düster, hat es Farben? Was für eine Farbe haben Tränen? Ein durchsichtiges Tränenmeer oder ein blutrotes Tränenmeer. Ich kann mich nicht entscheiden. Für einen kurzen Moment hab ich die Kontrolle über mich verloren. Ich bin alleine auf der Toilette. Die ist hässlich, aber wer erwartet in so einer Bar schon eine schöne Toilette. Ich lese die Notizen die viele Frauen vor mir auf die Türe geschrieben haben. Ich trockne meine Tränen mit meinem Schal. Mein Schal ist multifunktional einsetzbar. Ich kehre an den Tisch zurück und lasse mir nichts anmerken. Schluck für Schluck lässt mich vergessen, dass der Mann und ich nicht füreinander bestimmt sind. Ich kuschle mich in meinen Schal. Mein Schal soll mich alles vergessen lassen. Mein Schal ist Trostspender, Wärmespender, Glücksspender, mein Schal ist mein Wegbegleiter. Jeder Schal hat seine Geschichte, jeder begleitet mich ein Stück des Weges ohne zu wissen wie die Geschichte enden wird. Der Schal spendet Schutz. Schutz davor zu viel Preis zu geben. Der Schal kann nicht weg. Er muss mich beschützen. Es ist seine Aufgabe. Der Mann macht mich rasend. Er ist heute abend der beste Gast. Der Barkeeper setzt sich neben ihn und unterhaltet sich gut mit ihm. Ich kann nicht mehr. Ich muss los. Ich springe auf, der Stuhl fällt zu Boden aber der Schal, der bleibt. Er klammert sich an meinen Hals. Der Schal würde mich nie verlassen. Ich verlasse das Lokal aber ich bin nicht alleine denn mein Schal ist bei mir.
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