Thursday, January 31, 2013

Holzsteg Zigaretten Blues

Ich sitze neben ihm auf dem Holzsteg, vor uns liegt ein wunderschöner See. Eigentlich würde ich gerne seine Hand nehmen, aber ich zögere. Seine Gedanken sind schwer zu lesen. Ich würde so gerne wissen was er von mir denkt.Es macht mich wahnsinnig ihn nicht einmal ansatzweise zu durchschauen. Ich sehne mich seit Wochen nach ihm und nun sitzen wir nebeneinander und wissen nicht was wir reden sollen.
Meine lockigen, roten Haare wehen im Wind. Ich streife mir ein paar Locken aus dem Gesicht, blicke ihn von der Seite an aber er reagiert nicht. Sein Blick schweift in die Ferne, er scheint nur körperlich anwesend zu sein.
Sieht er mich nicht? Ich brauche ihn! Tief in mir kann ich mein Herz schreien hören, aber es bleibt mir in der Kehle stecken. Ich bekomme keinen Ton raus.

Seine Füße berühren das Wasser, zuerst nur sein großer Zeh, dann folgt der ganze Fuß, abwechselnd streift er mit den Füßen das Wasser. Mit seinen Händen stützt er sich auf dem Steg ab, lehnt sich nach hinten und blickt in den Himmel. Ein wolkenloser Himmel blickt ihm entgegen, die Sonne steht schon etwas tief. Ein hellblau angestrichenes Boot fährt vorbei, ein Fischer winkt herüber. Ich winke ihm zurück, versuche zu lächeln. Ich seufze weil ich nicht weiß was ich sagen soll. Würde ich jetzt was sagen würde ich die Stimmung zerstören? Wieso sind wir überhaupt an diesem Ort, frage ich mich.

Mein Kopf spielt verrückt, stellt viele Fragen und weiß keine Antworten. Meine Hand hebt sich kurz, kehrt aber schnell wieder an ihren ursprünglichen Platz zurück. Ich beobachte seine Füße, die Maserung des Holzes auf dem wir sitzen, meine braungebrannten Beine, das kleine Herz das ich mir letzten Sommer auf meinen kleinen, rechten Finger tätowiert hatte.

Je mehr ich überlege umso weniger komme ich zu einem Schluss.

"Tobias?"

Er zuckt kurz zusammen, dreht seinen Kopf und blickt mir direkt in die Augen. Seine grünen Augen lassen alle meine Gedanken verfliegen. Ich kann an nicht anderes mehr denken.

"Hast du ne Zigarette für mich?"

Er nickt. Sucht seine Hosentaschen ab. Holt die Packung raus und reicht mir eine Zigarette. Ich stecke sie mir in den Mund, er zündet sie mir an. Zigarettenluft verdrängt Sonnencremeduft.


Sunday, January 13, 2013

Von Menschen die Pläne schmieden

Menschen. Sind sie nicht da fühl ich mich leer.
Wenn sie dann bleiben und mich umgeben, fühle ich mich überfordert. Ich will mich klein machen, mich verkriechen, unsichtbar machen. Es ist gar nicht so leicht das Weite zu suchen, unterzutauchen und möge es auch für eine noch so eine Zeit sein. Rechtfertigungen hier und da. Aber endlich sitze ich hier. An dem Platz an dem ich zum letzten Mal vor einem Jahr war. Nun alleine. Statt Feuer nur der Schein meiner Taschenlampe. Für die da unten bin ich nicht erkennbar. Ich sehe all die Lichter, ganz grell, verschiedenste Töne, alles Gelb und Orange. Ich höre das Rattern des Zuges, vorbeibrausende Autos. Ich sitze auf einem großen Stein, blicke auf die Feuerstelle. Wie sie jetzt da liegt, ungebraucht. Wann war er das letzte Mal wohl hier? Wie viele Menschen kennen diesen Platz überhaupt? Ich habe Angst jemand könnte diesen Platz aufsuchen, jemand könnte mich entdecken. Ich will diesen Platz niemandem zeigen, ich hüte ihn wie einen Schatz. Ich will alleine sein. Der Felsen hinter mir ist gigantisch groß, er zeigt Stärke. Ich zeige Schwäche. Ich bin weg gerannt, wie schon so oft. Ich habe Angst mich zu binden, von jemandem abhängig zu sein. Immer wieder. Der Wind bläst mir ins Gesicht, der Fels im Rücken hält mich warm. Vor mir ist der Abhang, steil. Der Weg hierher erzählt Geschichten die ich nicht lesen kann. Die Bäume und Sträucher hängen in den Hang hinunter, ihre Wurzeln sind stark. Ich kann den Abgrund zu wenig sehen, es ist zu dunkel. Vielleicht bin ich zu stark oder zu wenig verwurzelt. Oder unabhängig? Angst vor der Zukunft, die Angst vor Idealen packt mich. Angst vor diesen aufgezwungenen Mustern mit denen ich nicht kann. Ungläublich stehe ich vor vorgefertigten Plänen von denen ich keine Ahnung hatte, dass sie existieren. Ich wusste nicht, dass da wer was plant, außer ich selbst. Dass die Zukunft aus wir besteht und nicht aus ich, ist kein Zufall. Aber vielleicht bin nur ich es die damit nicht umgehen kann.

Thursday, January 10, 2013

Relationships

Das Wort Beziehung ist schwer, fällt schwer, liegt mir schwer auf der Zunge. Es ist viel, viel, viel. Man darf nicht auf jeden einzelnen Buchstaben achten, auch nicht auf das gesamte Wort. Wir sitzen in der Pizzeria, Pizza und Cola. Wir verzichten auf den Rotwein. Das Personal kennt ihn gut, er ist öfter hier. Obwohl nur Freund ist er immer ein Gentleman, nimmt die Jacke ab, rückt den Stuhl zurecht. Ich bin beeindruckt, er überrascht mich immer wieder. Er ist nur ein guter Freund. Wir sprechen über Beziehungen, aus gegebenem Anlass. Ich suche Rat. Er schneidet ein Stück seiner Pizza. "Orientiere dich nicht an Maßstäben anderer.", sagt er. Ich höre ihm gespannt zu. Er wirkt philosophisch wie immer wenn wir über solche Themen sprechen. In diesem Moment bin ich dankbar für jedes gesprochene Wort. Ich solle aufhören über mein Leben so zu urteilen. Ich urteile? Er schweigt. Ich urteile also. Die wahre Definition des Wortes liege alleine bei mir. 
Ich also - auf der Suche nach der wahren Definition. Dafür gibt es kein Wörterbuch, kein Lexikon der Welt kann mir wohl das verraten - ich suche Erklärungen für etwas, was mir niemand erklären kann. Die Verantwortung liegt bei mir aber ich bin nicht fähig sie zu tragen. Er nimmt sein Besteck wieder in die Hände. "Iss weiter.", sage ich. "Das Essen wird kalt." Eigentlich auch nur um etwas zu sagen. Er soll weiter sprechen. Ich hänge an seinen Worten, sie sind die letzten Strohhalme an die ich mich verzweifelt klammere. Strohhalme der Hoffnung, eine Hoffnung, eine Hoffnung an etwas wovon ich nicht einmal weiß was es werden soll. Er isst weiter, hält kurz inne. Macht eine kurze Bewegung mit seiner Hand, gestikuliert. "Weißt du, wenn einer Erfahrung hat, dann ich." Er erzählt mir seine Geschichte. So viele Details die alle an mir in Lichtgeschwindigkeit vorbeirauschen, ich versuche mir alles zu merken. Er hat viel Lebenserfahrung und weiß trotzdem nicht wo er steht. Natürlich geht es dabei um eine Frau, eine die ihn schon seit vielen Jahren begleitet. Er hat Angst er könne sie an einen anderen verlieren aber er wäre ihr nie böse. Ich frage ihn wie es dann weitergehen würde. "Wie bisher auch.", sagt er. Wie kann ich mich nicht an den anderen messen? Es ist ein Vergleich dem ich zwölf Stunden am Tag ausgesetzt bin. Ob ich will oder nicht. Er sieht mir in die Augen. "Du bist in einer anderen Lebensphase", sagt er. Ich lache, spüle meine Gedanken mit Cola runter. Er spricht aus was ich schon lange denke. Das imaginäre Lexikon das mich seit Wochen bedrückt, ich stelle es zurück ins Regal. Das Wort Beziehung wird ab sofort neu definiert. Es wird ein neues Kapitel geschrieben.

Sunday, January 6, 2013

Timeout

Zeit ist nur ein Wort.
Zeit ist so viel mehr.
Zeit rinnt mir durch die Hände, wie heißer Sand.
Kaum ist der Zeitpunkt da, ist er auch schon wieder verblasst.
Zeit - nicht kontrollierbar.
Versuche die Zeit einzukalkulieren und mir die Zeit einzuteilen, sie alle scheitern.
Tick, tack.
Sang-und klanglos verabschiedet sie sich, die Zeit.
Goodbye time
Zeit für ein Timeout.

Tuesday, January 1, 2013

Flaschenpost

Versuche aufzustehen, aber es will mir nicht gelingen. Die Flasche neben mir, verschlossen und verlockend. Sie verspricht Besserung oder ist noch eine negative Steigerung möglich? Wer bin ich und wo ist mein altes Ich? Meine Seele fühlt sich leer an, wie ein unbeschriebenes Blatt, kahl, blank. Auf der Suche nach dem Glück bin ich stehen geblieben. Mein Stop ist vielleicht gar nicht von kurzer Dauer. Die Blumen eines Mannes, sie kommen immer zu spät. Wofür entschuldigen wenn es doch meine Schuld ist, war, oder könnte sein?
Die Arbeit ruht, neben mir. Ich fühle mich schwach. Die Zeit rennt davon. Ich bin vielleicht eh schon zu spät dran. Vielleicht hat mich das Erwachsensein zu sehr gestresst. Der Prozess des Verdrängens wurde zu groß und hat mich schon fast überrollt.