Das Wort Beziehung ist schwer, fällt schwer, liegt mir schwer auf der Zunge. Es ist viel, viel, viel. Man darf nicht auf jeden einzelnen Buchstaben achten, auch nicht auf das gesamte Wort. Wir sitzen in der Pizzeria, Pizza und Cola. Wir verzichten auf den Rotwein. Das Personal kennt ihn gut, er ist öfter hier. Obwohl nur Freund ist er immer ein Gentleman, nimmt die Jacke ab, rückt den Stuhl zurecht. Ich bin beeindruckt, er überrascht mich immer wieder. Er ist nur ein guter Freund. Wir sprechen über Beziehungen, aus gegebenem Anlass. Ich suche Rat. Er schneidet ein Stück seiner Pizza. "Orientiere dich nicht an Maßstäben anderer.", sagt er. Ich höre ihm gespannt zu. Er wirkt philosophisch wie immer wenn wir über solche Themen sprechen. In diesem Moment bin ich dankbar für jedes gesprochene Wort. Ich solle aufhören über mein Leben so zu urteilen. Ich urteile? Er schweigt. Ich urteile also. Die wahre Definition des Wortes liege alleine bei mir.
Ich also - auf der Suche nach der wahren Definition. Dafür gibt es kein Wörterbuch, kein Lexikon der Welt kann mir wohl das verraten - ich suche Erklärungen für etwas, was mir niemand erklären kann. Die Verantwortung liegt bei mir aber ich bin nicht fähig sie zu tragen. Er nimmt sein Besteck wieder in die Hände. "Iss weiter.", sage ich. "Das Essen wird kalt." Eigentlich auch nur um etwas zu sagen. Er soll weiter sprechen. Ich hänge an seinen Worten, sie sind die letzten Strohhalme an die ich mich verzweifelt klammere. Strohhalme der Hoffnung, eine Hoffnung, eine Hoffnung an etwas wovon ich nicht einmal weiß was es werden soll. Er isst weiter, hält kurz inne. Macht eine kurze Bewegung mit seiner Hand, gestikuliert. "Weißt du, wenn einer Erfahrung hat, dann ich." Er erzählt mir seine Geschichte. So viele Details die alle an mir in Lichtgeschwindigkeit vorbeirauschen, ich versuche mir alles zu merken. Er hat viel Lebenserfahrung und weiß trotzdem nicht wo er steht. Natürlich geht es dabei um eine Frau, eine die ihn schon seit vielen Jahren begleitet. Er hat Angst er könne sie an einen anderen verlieren aber er wäre ihr nie böse. Ich frage ihn wie es dann weitergehen würde. "Wie bisher auch.", sagt er. Wie kann ich mich nicht an den anderen messen? Es ist ein Vergleich dem ich zwölf Stunden am Tag ausgesetzt bin. Ob ich will oder nicht. Er sieht mir in die Augen. "Du bist in einer anderen Lebensphase", sagt er. Ich lache, spüle meine Gedanken mit Cola runter. Er spricht aus was ich schon lange denke. Das imaginäre Lexikon das mich seit Wochen bedrückt, ich stelle es zurück ins Regal. Das Wort Beziehung wird ab sofort neu definiert. Es wird ein neues Kapitel geschrieben.
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