Saturday, June 29, 2013
Louisa kauft Schmuck
Schwarze Tische und schwarze Stühle. Schwarze Brille und schwarzer Mantel. Seine Haare teils rasiert, der Rest mit Gel gezähmt. Sie nennt ihn Kronprinz. Davon weiß er nichts. Sie sitzt auf der Gartenmauer und wartet. Lange Zeit und weiß nicht wie das Auto aussieht auf das sie wartet. Im Brief stehen zu viele Worte. Die Zeilen schlängeln sich endlos dahin. Phrasen, Zitate, Händeschütteln, Kaffee trinken, Brille in den Haaren, Zigarette in der Hand, Kamera in der Tasche. Die hat er vom Flohmarkt. Sie reist gerne alleine und trifft Menschen die sie nicht kennt. Weil sie dann sein kann wer sie will. Sie definiert ihre Rolle immer neu. Ihr Name ist Louisa oder auch Lou. Sie ist kein Schubladenkind. Schlüssel für Schubladen? Sinnlos. Sie ist wie eine Schale, jeden Tag neu befüllbar. Wie beim Kuchen backen. Jeden Tag neue Zutaten die ihre Persönlichkeit definieren. Louisa bleibt ein Rätsel, dass sie selbst nicht lösen kann. Neue Reise, neue Menschen. Neuer Name, neue Persönlichkeit. Sie träumt am Tag und setzt alles um. So gut es eben geht. Sie lebt fern ab von der Realität. Sie sitzt stundenlang im Cafe, schreibt von Hand. Was sie schreibt, weiß kein Mensch. Der Kellner bringt ihr Cappuccino, ohne zu fragen. Er kennt sie, aber nur ein wenig. Auf Flohmärkten kauft sie alten Schmuck. Das gibt ihr ein Gefühl ihre tote Oma zurückzuhaben. Die Oma die immer Schmuck getragen hat. Perlenkette und Perlenohrenringe. Goldkette und Goldring. Die Oma die Suppe macht, die Oma die Kuchen backt. Die Oma die draußen auf dem Balkon heimlich Zigaretten geraucht hat. Louisa hat sie manchmal beobachtet, heimlich. Die Oma hat es nie bemerkt. Sie sah nur die Zigarettenstummel die die Oma in der braunen Blumenkiste vergraben hatte. Die Oma verwendete altmodische Küchenschürzen, blau kariert. Erst als sie älter wurde, zog sie die nicht mehr an. Vielleicht weil sie dann eine geübte Köchin war? Die Oma war immer in der Küche, am Kaffee kochen oder Kaffee trinken oder Kuchen backen. Bügeln und saugen. Die Ideale der perfekten Hausfrau gelebt. Louisa ist nicht wie die Oma. Eigentlich kein bisschen aber wenn sie sich den Schmuck umhängt, hat sie das Gefühl, dass die Oma wieder da ist. Die Oma hat Louisa immer Lou genannt. Louisa kratzt den Nagellack von ihren Nägeln. Das macht sie ständig, starrt dabei Löcher in die Luft. Sie bildet sich ein, Blasen im Wasserglas zu sehen. Sie entdeckt Staub unter dem Schrank, ein Windhauch vom Fenster und der Staub tanzt im Rhythmus der Musik. Die Musik spielt nur in ihrem Kopf. Draußen hört sie dann den Wind. Wenn es zu still wird, schreit Lou.
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